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SCHWAEBISCHE Zeitung Wangen: Wangener Diakon wird in Stuttgart zum Priester geweiht

25.03.2020
Vitus Graf von Waldburg-Zeil wird am 11. Juli in der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart zum Priester geweiht. (Foto: Vera Stiller)

Vitus von Waldburg-Zeil, der seit Mai 2016 als Diakon in der Seelsorgeeinheit Wangen gewirkt hat, verlässt das Allgäu. Der Vater von vier erwachsenen Kindern ist seit zwei Jahren Witwer und sieht seinen neuen Weg klar vor sich: Er geht nach Rottenburg ins Priesterseminar, um sich am 11. Juli in der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart zum Priester weihen zu lassen.

Als Joseph Graf von Waldburg-Zeil 2014 anlässlich seines 80. Geburtstag gefragt wurde, was ihn in seinem Leben am meisten geprägt habe, antwortete dieser unter anderem: „Das Aufwachsen in einer Familie, die mir die Freude am katholischen Glauben und an Werten vermittelt hat.“ Dieses Bewusstsein muss er auch seinem Sohn Vitus weitergegeben haben. Wer mit ihm spricht, spürt es überdeutlich. Da ist einer, der erfüllt ist von Gottes Führung und seiner Verantwortung für den Nächsten.

Ungewöhlicher Lebensweg

Vitus Graf von Waldburg-Zeil wurde am 17. März 1961 in München geboren, wuchs im Schloss Syrgenstein auf und legte am Wangener Wirtschaftsgymnasium sein Abitur ab. Sein ungewöhnlicher Weg führte ihn zunächst als Zeitsoldat zum Militär, wo er den Rang als Stabsoffizier erlangte. Nach erfolgreich abgeschlossenem Betriebswirtschaftsstudium zog es ihn hinaus in die Welt. Es folgte in Paris das Studium der französischen Sprache, in Salzburg absolvierte er eine Touristik-Ausbildung.

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Nachdem er viele Jahre in der Unternehmensberatung für Krankenhäuser, davon auch im amerikanischen Stanford, und als Kaufmännischer Leiter und Geschäftsführer von Kliniken tätig war, folgte er nach eigenen Angaben zufolge „dem häufiger vorgekommenen Ruf Gottes, Diakon zu werden“. Es waren insgesamt zehn Jahre, in denen er sich berufsbegleitend der Ausbildung samt Theologiestudium unterzog. 2010 wurde er zum Diakon geweiht, nach der obligaten Wartefrist von zwei Jahren als „Diakon im Zivilberuf“ zum „Diakon im Hauptberuf“ in Aulendorf berufen.

Beim Festgottesdienst und auch danach beim Stehempfang hatte Diakon Vitus von Waldburg-Zeil unmissverständlich seine Aufgaben benannt. Er wollte Anwärter der Armen sein. Wobei er deutlich machte: „Arm hat nicht nur mit dem Geldbeutel zu tun. Arm ist einsam sein, allein, ohne Aufgabe, nicht mehr gefragt zu sein. Arm ist gestresst zu sein, keine Zeit für sich zu haben. Arm sein ist krank, pflegebedürftig und behindert zu sein.“

Gelebte Ideale

Als er im Mai 2016 nach Wangen kam, führte er diese Gedanken „mit im Gepäck“. Sein Auftrag für die Seelsorgeeinheit Wangen sowie auf Diözesan- und Dekanatsebene machte es ihm leicht, seine Ideale zu leben. War der Diakon mit pastoralpsychologischer Ausbildung doch zu 60 Prozent als Krankenhausseelsorger am Klinikum Westallgäu mit dem Hospiz tätig, zu 40 Prozent in der Gemeindeseelsorge. Um hier nur einige Aufgabengebiete zu erwähnen: Armenfürsorge, Ehrenamtsbetreuung, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, Predigtdienst.

Doch Vitus von Waldburg-Zeils Engagement reichte und reicht weiter. Er ist Bezirksbeauftragter für Oberschwaben des Malteser Hilfsdienstes, arbeitet für die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) und für den Katastrophenschutz im Landkreis Ravensburg. Die Gründung des ambulanten Kinderhospizdienstes „Amalie“ in Weingarten geht auf seinen Einsatz zurück.

„Nein, ich habe in meinem Leben zwar viele Fragen gestellt, aber nie am Glauben gezweifelt“, ist sich der zukünftige Priester sicher. Und auch über den neuen Weg, den er nach reiflicher Überlegung als „gangbar“ erachtete. Wie sich Vitus Graf von Waldburg-Zeil glücklich schätzt, dass Bischof Gebhard Fürst seiner Bitte, Gott noch intensiver dienen zu können und somit Vorbild für andere zu sein, entsprochen hat.

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