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SCHWAEBISCHE Zeitung: Kreis Sigmaringen - Kinderhospizdienst wagt einen Neustart

05.10.2020
Während Sandra Rupp (links) als neue hauptamtliche Koordinatorin des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes in Sigmaringen jetzt durchstartet, kann sich Verena Berg, Diözesanreferentin Hospizarbeit, nach erfolgreichem Abschluss etwas entspannt zurücklehnen. (Foto: Peggy Meyer)

Er startet wieder durch: Nach einjähriger Pause hat der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser seine Arbeit im Landkreis Sigmaringen wieder aufgenommen. Betroffene Familien zu begleiten und zu unterstützen ist Aufgabe und Herzenssache zugleich. Auch wenn die hauptamtliche Koordinationsstelle mit Sandra Rupp optimal besetzt werden konnte, ist dieser Dienst auch weiterhin nur mit ehrenamtlichem Engagement und finanzieller Unterstützung zu stemmen.

 

Dezent gefeiert, wurde der Neustart - natürlich unter Einhaltung aller gebotenen Hygieneregeln - im Fabrikle im Donautal. Dieses etwas versteckt liegende Kleinod sollte keinesfalls symbolisch verstanden werden, denn verstecken möchte sich der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst keinesfalls, wie Rupp verdeutlicht. Im Gegenteil – Aufmerksamkeit und Interesse an der Mitarbeit soll geweckt werden. „Wir sind nicht im professionellen Segment unterwegs, unsere Arbeit lebt von den Ehrenamtlichen“, sagt Verena Barg, Diözesanreferentin Hospizarbeit. 40 Kinder- und Jugendhospizdienste unterhalten die Malteser bundesweit, davon allein 15 in Baden-Württemberg. Im Kreis Sigmaringen startete 2013 dieses Angebot – und musste im vergangenen Jahr aus personellen Gründen beendet werden.

 

Nun konnte Sandra Rupp als hauptamtliche Koordinatorin des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes in Sigmarngen gewonnen werden, „ein Glücksgriff“, wie es Berg ausdrückt. Rupp sei kein „unbeschriebenes Blatt“, sie bringe durch ihre Arbeit im Palliativbereich wertvolle Erfahrung mit. Elisabeth von Spies, Malteser Hospizbeauftragte und Pionierin der Hospizarbeit, unterstrich die Wichtigkeit des Ehrenamts und der Spenden. „Die Ehrenamtlichen sind unser großer Schatz, sie können Teil der Familie werden und ihnen etwas Normalität und Licht bringen“, sagt von Spies.

 

Licht in Familien bringen, in denen Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene mit einer diagnostizierten lebensverkürzenden oder lebensbedrohlichen Erkrankung leben. 110 betroffene Kinder und Jugendliche gibt es derzeit im Landkreis. Diese Familien in ihrem Alltag zu unterstützen und zu begleiten, übernehmen vorwiegend Ehrenamtliche. Dabei reicht das Spektrum von „einfach nur zuhören“ bis zum „Spielen und in Pfützen springen mit den Geschwisterkindern“. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, „Interessierte sollten offen sein, Zeit haben und gemeinsam mit uns etwas bewegen wollen“, sagt Rupp. Und Berg ergänzt: „Natürlich schauen wir uns die Bewerber genau an, wie Motivation und Selbstreflektion sind.“

 

Ein Qualifizierungskurs, der kommendes Frühjahr starten soll, bereitet die Ehrenamtlichen auf ihre Aufgaben intensiv vor. Die Arbeit mit den Betroffenen ist eine von Empathie geprägte Herausforderung, aber „sie macht stark und gibt so viel zurück“, sagen Rupp und Berg. Der Spruch „Das könnte ich nie!“ zählt nicht, denn Sterben, Tod und Trauer gehören zum Leben dazu. „Genau genommen“, erklärt Berg, „ist es eher eine Lebens- als Sterbebegleitung.“

 

Ihnen ist bewusst, dass das Wort Hospiz eine Hürde sei, viele würden es mit Negativem assoziieren. Dabei stamme der Begriff aus dem Lateinischen, erklärt von Spies. „Das Wort ,hospitium’ bedeutet übersetzt Gastfreundschaft oder Herberge und das wollen die Malteser auch heute noch: helfen, wo es Hilfe bedarf.“ Dabei können sie auch auf ein Netzwerk mit starken Partnern und Unterstützern zurückgreifen. Rupp freue sich auf ihre zukünftige Aufgabe, ihr größter Wunsch wäre „ein großer Pool an Ehrenamtlichen“, auf den sie zurückgreifen könne. Das wäre auch für die Familien unwahrscheinlich wichtig.

 

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