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Malteser Bodensee

SCHWAEBISCHE Zeitung Zollernalb: Malteser erfüllen sterbendem Mann seinen letzten Wunsch

31.05.2021
Mit dem Herzenswunsch-Krankentransportwagen bringen die Malteser Neckar-Alb den 68-jährigen Reutlinger Karlheinz Kost an die Ostsee – und erfüllen ihm damit einen letzten Wunsch. Mit dabei ist auch Ehefrau Marion. (Foto: Malteser Neckar-Alb)

Hört man Karlheinz Kost sprechen, so strotzt die Stimme des Reutlingers vor Kraft und Lebensfreude. Vor allem, wenn der 68-Jährige von seiner jüngsten Reise nach Wismar spricht. Doch Karlheinz Kost liegt im Sterben. Die Diagnose: Krebs im Endstadium.

 

An die Ostsee brachte den Schwerkranken der Herzenswunsch-Krankentransportwagen (KTW) der Malteser im Bezirk Neckar-Alb, die Kost und seiner Frau Marion damit einen letzten Wunsch erfüllten – ein Dienst, den auch Einwohner des Landkreises Reutlingen und des Zollernalbkreises in Anspruch nehmen können. 

 

Das hat das Fernweh geweckt

 

„Das war schon immer sein Wunsch“, berichtet Marion Kost von der Wochenendausfahrt nach Wismar. Die Liebe zu der Stadt im Norden wurde durch eine Fernsehserie geweckt. Karlheinz Kost ist begeisterter Fan der Krimireihe „Soko Wismar“.

 

Doch alleine wäre die Fahrt für die Eheleute nicht mehr möglich gewesen. Marion Kost, 59 Jahre alt, ist auf eine Gehhilfe angewiesen. Und Karlheinz Kost erhält inzwischen das starke Schmerzmittel Morphium – selbst an die Ostsee zu fahren, war da undenkbar. 

 

Das war wirklich sein Herzenswunsch, den wir ihm ermöglichen wollten, bevor alles noch schlimmer wird. 

 

Marion Kost

 

Und doch war da der Gedanke, ihrem Mann diesen letzten Wunsch zu erfüllen. „Das war wirklich sein Herzenswunsch, den wir ihm ermöglichen wollten, bevor alles noch schlimmer wird.“

 

Am Ende hatte Sohn Manuel die entscheidende Idee: Er erinnerte sich an das Malteser-Projekt Herzenswunsch-KTW, das Schwerkranken und Sterbenden die Chance bietet, noch einmal etwas Besonderes zu erleben, heißt es in der Pressemeldung der Malteser. 

 

Nach der Anfrage bei Anselm Scheifler, dem Seelsorger der Malteser im Bezirk Neckar-Alb, ging alles schnell. Mit Gerd Lehmann, hauptberuflich Notfallsanitäter bei der Malteser-Rettungswache in Metzingen, und Lars Gehlhaar, Einsatzsanitäter der ehrenamtlichen Bereitschaft in Reutlingen, fanden sich zwei Freiwillige, die ehrenamtlich als Fahrer und sanitätsdienstlich erfahrene Begleitpersonen zur Verfügung standen.

 

„Diese Bereitschaft unserer Mitarbeiter und Ehrenamtlichen, sich hier zu engagieren, ist ein ganz hohes Gut“, sagt Malteser-Bezirksgeschäftsführer Marc Lippe.

 

Zusätzlich kam Thomas Gerigk mit ins Boot. Der Dienststellenleiter der Malteser in Wismar organisierte die passende Unterkunft – Dank einer glücklichen Fügung eine einfache Aufgabe: Mareike Cremer, selbst ehrenamtlich bei den Maltesern in Wismar tätig, ist Chefin des „Vienna-House Stadt Hamburg“-Hotels in Wismar. Sie kümmerte sich um die Unterkünfte. 

 

Bei jedem Wunsch haben sie gleich angehalten und mir geholfen. 

 

Karlheinz Kost

 

Am frühen Samstagmorgen holte der Herzenswunsch-Krankentransportwagen die Eheleute Kost ab. Trotz des Liegendtransports war die Fahrt für Karlheinz Kost beschwerlich. Doch der 68-Jährige ist voll des Lobes für die Malteser. 

 

„Bei jedem Wunsch haben sie gleich angehalten und mir geholfen“, berichtet Kost. Vor Ort angekommen, nach der über 800 Kilometer langen Fahrstrecke, folgte die nächste Überraschung: Mareike Cremer hatte es sich nicht nehmen lassen, den Reutlingern die Hotel-Suite zur Verfügung zu stellen. 

 

In der Suite wartet eine Überraschung

 

Und die Wismarer Malteser legten noch eine Schippe drauf: In der Suite wartete neben einer Flasche Wein ein gerahmtes Bild mit den Unterschriften aller Hauptdarsteller von „Soko Wismar“. Das sei eine „gigantische Überraschung“ gewesen, blickt Karlheinz Kost zurück. „Da ist uns auch die eine oder andere Träne gekommen“, gibt Marion Kost zu.

 

Mit dem Krankentransportwagen wurden anschließend verschiedene Drehorte in Wismar besucht, und weil eine Hafenrundfahrt aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich war, lenkten Lehmann und Gehlhaar das Einsatzfahrzeug kurzerhand gekonnt einmal um den gesamten Hafen herum, sodass die Kosts sich alle im Hafen liegenden Schiffe ansehen konnten. 

 

Am Sonntagmorgen folgte dann noch eine Ausfahrt zum 25 Kilometer entfernten Ostseebad Insel Poel. „Ich war bis zu den Knien in der Ostsee und barfuß am Strand“, freut sich Karlheinz Kost noch heute.

 

Mit der Rückfahrt endeten zwei erlebnisreiche Tage. Auch das ist ein Grund, weshalb die Kosts bereit waren, ihre Geschichte zu erzählen: Um anderen Menschen die Hoffnung zu machen, was auch für Sterbende und Schwerkranke mit Hilfe des Herzenswunsch-KTWs der Malteser noch möglich ist.

 

„Die ganze Fahrt war ein gigantisches Erlebnis für mich“, sagt Karlheinz Kost abschließend. Und Marion Kost ergänzt: „Wir waren überwältigt. Wir wurden behandelt wie Könige, das hätten wir so nie erwartet.“

 

Auch für den Raum Bodensee-Hohenzollern-Oberschwaben steht ein Herzenswunsch-Krankenwagen zur Verfügung. Anfragen bitte direkt an michael.norgauer@malteser.org

 

 

 

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