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SÜDKURIER Stockach: Steigende Unfallzahlen: Warum E-Biker im Straßenverkehr auch gefährlich leben können

07.10.2021
Wollen für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen (von links): Bernhard Alder (Bezirksreferent Malteser), Heinz Martin (stellvertretender Ortsvorsitzender der Malteser) sowie Willi Schmidberger (Kreisverkehrswacht Konstanz-Hegau). | Bild: Marinovic, Laura

Der Absatz von Elektrorädern nimmt stetig zu, aber es gibt aber auch viele Unfälle mit Pedelecs. In Stockach soll es deswegen im Oktober einen Sicherheitskurs geben.

 

Die Beliebtheit von Elektrofahrrädern, nimmt stetig zu: Laut dem Statistischen Bundesamt besaßen im Jahr 2020 4,3 Millionen Haushalte in ganz Deutschland mindestens ein solches Fahrzeug – das ist etwa jeder neunte. Anfang 2015 waren es noch 1,5 Millionen Haushalte. Doch was Verkäufer erfreut, hat auch eine weniger schöne Seite. Denn nicht nur die Verkaufszahlen steigen an, sondern auch die Unfallzahlen. Von Januar bis Juli gab es im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz bereits 110 Unfälle mit Pedelecs, 2020 waren es 146 im gleichen Zeitraum.

 

Die Malteser in Stockach und die Kreisverkehrswacht Konstanz-Hegau wollen eingreifen und einen Beitrag für mehr Sicherheit für Elektrorad-Fahrer leisten. Zu diesem Zweck bieten sie im Oktober in Zusammenarbeit einen Trainingskurs für E-Bike-Fahrer, primär Pedelec-Fahrer, inklusive eines Notfalltrainings in Verbindung mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen an.
Technik überholt viele Fahrradfahrer
Denn Pedelecs machen laut Willi Schmidberger von der Verkehrswacht den größten Teil der E-Bikes aus, und überwiegend werden sie von älteren Menschen gefahren. Diese hätten durch der Motorunterstützung wieder die Möglichkeit, längere Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen. „Das Problem ist, dass früher viele konventionell Fahrrad gefahren sind, aber die Technik hat sie nun überholt“, erklärt Schmidberger.
Es ist wichtig, sein Rad zu kennen
Denn ein Pedelec sieht zwar aus wie ein Fahrrad, sei aber viel schwerer „und in der Handhabung ganz anders“. Die Bremsen seien so etwa anders und auch die verschiedenen Fahrstufen des Motors können zu Problemen führen. So könne die falsche Fahrstufe zu Beginn der Fahrt etwa dafür sorgen, dass das Rad einen plötzlichen Satz mache, weil der Motor gleich stark loslegt. „Damit rechne ich dann nicht“, sagt Schmidberger. Das Ergebnis: ein Sturz. Ebenso müsse ein Pedelec-Fahrer erst einmal wissen, dass er am Berg nicht einfach in die Eco-Fahrstufe schalten darf, da sich das Rad sonst verlangsamt und es dann ebenfalls zum Sturz kommt, weil der Antrieb plötzlich fehlt. „Es ist wichtig, sein Fahrrad richtig zu kennen“, betont er. Aber auch körperliche Beschwerden können zu Unfällen führen. „Wir erleben es im Rettungsdienstbereich, dass es während dem Fahren zum Herzstillstand kommt“, erzählt Bernhard Alder, der Bezirksreferent der Malteser. „Und es kann auch sein, dass es zu einem Schwächeanfall kommt“, ergänzt Willi Schmidberger – etwa dann, wenn die Fahrer sich überschätzen und mehr leisten, als ihr Körper verkraften kann. Typische Verletzungen bei Fahrradunfällen seien dann Kopfverletzungen, etwa am Schädel oder Gehirn, Wunden und Knochenbrüche, berichten die beiden.

 


Das ist um Ernstfall zu tun

 

Um nicht nur Sicherheit beim Fahrradfahren, sondern auch Sicherheit als Ersthelfer zu vermitteln, soll der Kurs daher auch thematisieren, was im Ernstfall zu tun ist: Darf einem verunglückten Fahrradfahrer der Helm abgenommen werden oder sollte der lieber auf dem Kopf bleiben? Was ist zu tun bei Knochenbrüchen und Blutungen? Wann ist die stabile Seitenlage sinnvoll und wann die Schocklage? „Wie man sich dann entsprechend verhalten kann“, fasst Bernhard Alder zusammen. Denn: Im Ernstfall sei es wichtig, zu helfen. Und der Kurs solle auch helfen, Hemmschwellen abzubauen, indem er einen roten Faden vorgibt.

 

Auch Bodenbeläge spielen eine Rolle

 

Der theoretische Teil des Kurses soll in der Geschäftsstelle der Malteser in der Kaufhausstraße in Stockach stattfinden, der praktische Teil, bei dem die Teilnehmer mit ihren Rädern einen Parcours abfahren sollen, im Bereich des Osterholzes. Denn: „Da habe ich verschiedene Bodenbeläge“, erläutert Bernhard Alder. Dies sei wichtig, denn es mache einen Unterschied, ob zum Beispiel auf Asphalt oder auf Kies gebremst werde. Und Willi Schmidberger betont: „Die Veranstaltung findet nicht ohne Schutzhelm statt.“ Wer keinen Helm trage, gefährde sich. Ein Sturz auf den Kopf könne dazu führen, dass der Verunglückte von einem Tag auf den anderen mit großen gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen habe. Wer eine Familie zu versorgen habe, der müsse sich außerdem bewusst sein, dass dieser dann plötzlich ein Versorger fehle.

 

Der Kurs

 

Der Sicherheitskurs in Stockach findet am Samstag, 16. Oktober, statt. Die Teilnahme kostet 49 Euro, im Preis mit enthalten ist auch die Verpflegung. Treffpunkt ist an der Geschäftsstelle der Malteser in der Kaufhausstraße 46 in Stockach. Dort sind auch die Anmeldungen möglich. Die Geschäftsstelle von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr geöffnet und unter der Telefonnummer (07771) 877503 erreichbar. Die Teilnehmerzahl ist auf zwölf Personen begrenzt. (lam)

 

Redakteurin: Laura Marinovic

 

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