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Malteser Bodensee

SÜDKURIER Singen: Neue Impfstation in der Scheffelstraße soll lange Warteschlangen künftig vermeiden

03.12.2021
Gestern in der Scheffelstrasse:

Mit dem Angebot will die Singener Stadtverwaltung die große Nachfrage nach Impfungen etwas auffangen. Anmelden kann man sich für die Termine telefonisch. Bisher wird dort zwei Mal die Woche geimpft. Doch damit die Impftermine ausgeweitet werden können, ist die Stadt auf der Suche nach weiterem Personal, das das Impfen, Beraten und die Koordinierung übernimmt.

 

VON GUDRUN TRAUTMANN

 

Manche Bürger möchten auf dem Zeitungsfoto nicht erkannt werden. Ein frisch Geimpfter verlangt, dass das Bild von der Kamera gelöscht wird. Zu sehen war er im Beratungsgespräch im Impfstandort, den die Stadt Singen am Donnerstag neben dem Malteser-Testzentrum in der Scheffelstraße eröffnet hat. Eine Frau mit einem kleineren Kind will ebenfalls möglichst unerkannt bleiben.
Doch die meisten Menschen, die an diesem Tag die neue Möglichkeit für eine Impfung gegen Covid-19 nutzen, sind froh und dankbar. So auch Thilo Sürdmann aus Schlatt unter Krähen. Nach zwei vergeblichen Anläufen in Engen und Hilzingen konnte er sich jetzt boostern lassen. Dafür hat er nur zehn Minuten draußen warten müssen. Gerade genug Zeit, um den Anamnesebogen auszufüllen.

 

Stadt ergreift Initiative
Draußen steht Stefan Schüttler. Zusammen mit zwei Mitarbeitern der Ortspolizeibehörde verteilt der Bevölkerungsschützer Klemmbretter mit den Erfassungsbögen. Dann geht es bei der Anmeldung schneller.

 

Dass die Warteschlange so überschaubar ist, verdanken die Impfwilligen einer städtischen Initiative. Nachdem der Druck auf die mobilen Imfpteams im Hegau fast unerträglich wurde und Menschen bis zu fünf Stunden in Warteschlangen verbrachten, reifte die Idee, einen festen Impfstandort in der Innenstadt einzurichten.

 

Anrufen statt Schlange stehen
Für das kurzfristige Impfangebot am Samstag, 4. Dezember von 10 bis 16 Uhr ist wieder eine Impf-Hotline unter 07731-85770 geschaltet, um Wartezeiten zu vermeiden. Diese kann am Freitag, 3. Dezember ab 10 Uhr angerufen werden. Zeitnah ist zudem ein elektronisches Anmeldetool in Planung.
Stefan Mohr koordiniert die Anmeldungen vonseiten der Stadtverwaltung. Bisher kann er nur an zwei Tagen pro Woche Zeitfenster vergeben, und das auch nur sehr kurzfristig. „Wir bekommen die mobilen Impfteams recht kurzfristig vom Landkreis zugeteilt“, erklärt er das Dilemma.

 

Für den nächsten Impftermin in der Scheffelstraße 20 am Samstag, 4. Dezember, können sich Interessierte am Freitag, 3. Dezember, ab 10 Uhr über die Hotline (07731) 857 70 anmelden. Es stehen 130 Impfdosen zur Verfügung. Weitere Impftermine werden jeweils zeitnah bekannt gegeben.

 

Wie Stefan Schüttler würde er gerne an sieben Tagen die Woche in der Scheffelstraße durchimpfen. Doch dafür benötigt er dringend weiteres Personal. Pro Impfteam sind das ein Fahrer, zwei Medizinsche Fachangestellte, eine Verwaltungskraft und einen Arzt.

 

Die Stadtverwaltung Singen sucht Personal für weitere Impfeinsätze. Möglich sollen kürzere Schichten werden, um die Belastung der Helfer zu begrenzen. Benötigt werden Medizinische Angestellte, Ärzte, Verwaltungskräfte und Fahrer. Interessierte können sich anmelden unter impfen@singen.de. Das können auch pensionierte Fachkräfte sein, die nur für ein paar Stunden arbeiten wollen. Voraussichtlich wird der Impfstützpunkt bis Frühjahr betrieben.

 

Die Feuertaufe hat der Impfstandort am Donnerstag bestanden. Am Tag zuvor konnten sich die Bürger ab 10 Uhr telefonisch anmelden. Vor Ort erhielten sie ein farbiges Armband für ihr Zeitfenster, sodass sie die Wartezeit in der Stadt verbringen konnten.
260 Impfdosen fanden so den Weg in die Oberarme der Singener. Wie viele Erst-Impfungen darunter waren, konnte weder Stefan Mohr noch Stefan Schüttler bis Redaktionsschluss sagen.

 

Familie stellt Räume zur Verfügung
Dass überhaupt so schnell Räume für den Impfstützpunkt in der Singener Innenstadt gefunden wurden, ist der Familie Singh zu verdanken, die mit ihrem Geschäft in die August-Ruf-Straße umgezogen ist. Die Räume mit einer Fläche von 250 Quadratmetern seien sehr gut geeignet, sagt Stefan Schüttler.

 

„Die Familie ist uns mit dem Mietpreis sehr entgegengekommen“, ergänzt Stefan Mohr. „Deshalb konnten auch die Malteser bereits vor einer Woche ihr Testzentrum hier einrichten.“ Nicht nur Ungeimpfte benötigen Corona-Schnelltests. Für Besuche in Pflegeheimen zum Beispiel müssen auch Genesene und Geimpfte negative Tests vorlegen.

 

Auch Testzentren stehen zur Verfügung
In der Singener Innenstadt gibt es vier Testzentren. Eine Drive-In-Station ist auf der Offwiese dazugekommen. Sie wird von einem privaten Anbieter betrieben, bei dem man sich einmalig unter gehext.net registrieren kann und dann sein Testergebnis aufs Mobiltelefon geschickt bekommt. So entfällt das Warten auf das Testergebnis.

 

Zurück zum Impfstützpunkt, wo sich Udo Jablonski gerade seine Auffrischungsimpfung abgeholt hat. Er hatte im SÜDKURIER gelesen, dass man sich am 1. Dezember zum Impfen anmelden kann. „Die telefonische Anmeldung finde ich gut“, sagt er, auch wenn er etwa zwei Stunden mit der Wahlwiederholung beschäftigt war, bis er sich anmelden konnte.
Hier wollen Schüttler und Mohr möglichst rasch – noch im Dezember – auf eine elektronische Anmeldung umstellen. Doch davor steht und fällt alles mit dem Personal, das für die Tage gefunden werden muss, an denen kein mobiles Impfteam vom Landkreis vorbeigeschickt wird.

 

Kurze Schichten sollen Helfer locken
„Wir wollen als Stadt so viel wie möglich impfen“, bekräftigt Mohr immer wieder und hofft, dass kürzere Schichten mit vier Stunden mehr Helfer anlocken werden.

 

Nicht mehr angelockt werden muss Paul Weber. Er hatte bei den Maltesern am Donnerstag seinen ersten Einsatz im Impfstützpunkt. „35 Jahre war ich im Konstanzer Konzil Veranstaltungsleiter“, sagt er. „Jetzt veranstalte ich hier die Impfungen mit.“

 

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